Klaus Elmar Müller

Prof. Ohly fürchtet zwei Schismen: Rom/deutsche Kirche und Rom/FSSPX

Seine Eminenz Rainer Maria Kardinal Woelki hatte gegen die moderne Theologie an der Katholischen Fakultät der Universität Bonn eine eigene Katholische Hochschule für Katholische Theologie in Köln gegründet. Mitgründer und Rektor Prof. Christoph Ohly gibt nun sein Leitungsamt, das Rektorat, auf, zusammen mit zwei weiteren Persönlichkeiten, bleibt der Hochschule aber als Lehrstuhlinhaber für kirchliches Recht erhalten.

CNA berichtet:
Der Kölner Stadt-Anzeiger schrieb (...) Es "liegen dieser Redaktion Stellungnahmen vor, die den Verdacht einer Intrige nahelegen (...) Deren Ziel sei es dem Vernehmen nach gewesen, das Führungstrio loszuwerden, weil es sich Plänen einer immer weiteren Orientierung nach Rechts und dem Aufbau eines Netzwerks mit Verbindungen zu finanzkräftigen, ultrakonservativen Kreisen in den USA widersetzt."

In einem Interview mit Margarete Strauss bei EWTN wenige Tage vor den Weihen in Ecône bestreitet Prof. Ohly das Vorliegen einer aktuellen Notlage für die FSSPX bzw. die Kirche und auch, dass Bischofsweihen ein angemessenes Mittel zur Abhilfe sein können. Rom habe zum Beispiel die Laienpredigt gegenüber den deutschen Bischöfen kürzlich abgelehnt.
Das Konzil sei kein Bruch mit der Tradition, behauptet Ohly. Aber, so darf man einwenden, lässt das heutige Gesicht der Kirche das Konzil nicht weit hinter sich? Päpstliche Texte Franziskus' und Leo's XIV.: Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene, Segnung homosexueller Paare, Leugnung der Miterlöserin und Gnadenvermittlerin, alle Religionen gottgewollte Heilswege, eine friedliche und gerechte Welt ohne Bekehrung zu Jesus Christus als menschgewordenem Gott und Erlöser am Kreuz - eine solche Welt propagiert, den Ideen der humanistischen Freimaurerei verwandt, Papst Leo XIV. in seiner ersten Enzyklika "Magnifica Humanitas", laut der wir Christen nicht mit Worten missionieren, aber sympathisch-freundlich sein sollten und Christus durch andere Religionen zu uns spräche.

Die Bischofsweihen in China hätte der Papst nachträglich anerkannt, die Vorausankündigung der Weihen durch die FSSPX mache den Unterschied aus. Da sei eine andere „Zeitschiene“.
Ohly's künstliche „Unterscheidung“, oberflächlich herbeigekratzt. Und in Wahrheit folgten zuletzt Weihen in China, nachdem Leo XIV. die voraus benannten Kandidaten der Kommunistischen Partei anerkannt hatte.

Die Piusbruderschaft schlage der Kirche eine Wunde, obwohl doch die Kirche letztlich unfehlbar sei, auch in geschichtlichen Wirren.
Also gottvertrauend alle anderen, auch die Glaubensfeinde, handeln lassen? Quietismus (das Handeln Gott überlassen) oder Fatalismu (Schicksalsglaube) statt Seelsorge!

Dann weist der Professor für Kirchenrecht auf Pius XII., der mit Blick auf China die Exkommunikation für unerlaubte Bischofsweihen die Tatstrafe eingeführt habe.
Welcher Zynismus! Jetzt doch China! Dabei wird Pius XII. von Leo XIV. ad absurdum geführt, indem jener die kommunistischen Bischofsernennungen anerkennt.

Prof. Ohly wünscht sich „doktrinelle Dialoge“ (Gespräche über kirchliche Lehren) sowohl zwischen Rom und dem deutschen Synodalen Weg als auch zwischen Rom und der Piusbruderschaft.
Es gebe deutsche Bischöfe, die doktrinelle Verbote als letztes römisches Mittel für Einzelheiten des deutschen Synodalen Weges unbedingt vermeiden möchten.
Nun, gegenüber der FSSPX ist Rom nicht so „zartfühlend“, wie Prof. Ohly und deutsche Bischöfe es gegenüber der deutschen Kirche wünschen.
Prof. Ohly lobt das Bemühen des neuen DBK-Vorsitzenden, die deutsche Kirche vor einem Schisma mit Rom zu bewahren, eine deutsche Parallelkirche zu verhindern. Es sei ja von deutscher Seite auch klar gesagt worden, beides sei nicht beabsichtigt.
Was der Kölner Kirchenrechtler nicht erwähnt: Noch klarer und inhaltlich katholischer ist in dieser Bekundung die FSSPX!
Was er aber befürchtet: Dass die deutsche Bekundung, keine schismatische deutsche Parallelkirche zu wollen, nicht ernst gemeint sein könnte (Minute 44/45)!

In Minute 46 erklärt der Kirchenrechtler Prof. Ohly die Sakramente bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. trotz der unerlaubten Bischofsweihen und einer eintretenden Exkommunikation für gültig (Minute 45/46). Erst auf Nachfrage äußert er ein „Fragezeichen“ für die hl. Beichte. Da erwarte er nach den Bischofsweihen eine „Beschreibung“ von Rom (Minute 50/51). Denn nach den Bischofsweihen könne die Beichte bei der FSSPX nicht den „Frieden mit der Kirche“ herstellen, was aber doch ihre Aufgabe sei.
Herrn Prof. Ohly, dem Kirchenrechtler, entgeht die Kaltherzigkeit dieser seiner Darlegung. Wer außer den sogenannten Traditionalisten sehnt sich denn überhaupt noch nach der hl. Beichte?

Wo wird ihre Notwendigkeit in der heutigen Kirche propagiert? Inhaltlich bekam Prof. Ohly Widerspruch von Seiner Eminenz Gerhard Kardinal Müller bei k-tv, der das bei der FSSPX gespendete Beichtsakrament für gültig erklärte und das nach den Bischofsweihen und gegen die Erklärung des Vatikans tat.


Eine Exkommunikation der weihenden und geweihten Bischöfe bezöge sich weder auf die Priester der FSSPX noch auf die Gläubigen (Minute 46/47/48)! Anders leider Kardinal Fernández nach den Weihen!
Ohly: Doch sei die Sakramentenspendung der FSSPX unerlaubt (Minute 47).
Zwar liege durch die Bischofsweihen kein Schisma vor, aber sie seien „ein schismatischer Akt mit der Potenz eines künftig dekretierten Schismas“ (Minute 48/49).
Darum rät Prof. Ohly, Orte außerhalb der FSSPX aufzusuchen, an denen die Liturgie würdig, der Kirche gemäß und ohne Missbräuche gefeiert werde. Er nennt ausdrücklich die PETRUSbruderschsaft, die es an vielen Orten gebe, aber übersieht, dass „Traditionis Custodes“ solche Orte auf die Gesinnung ihrer Gläubigen überprüft haben will und die Eröffnung weiterer derartiger Orte verbietet (Art. 3 Nr. 1 und 6).

Bericht von CNA: Führungsebene der Kölner Hochschule für …
Interview Professor Ohly's bei EWTN: youtube.com/watch?v=UTC63LYbFcs
Kardinal Müller bei k-tv zur Gültigkeit des Beichtsakramentes bei der FSSPX: youtube.com/watch?v=Q0uUYsOiJX0
Papst Franziskus, Traditionis Custodes: summorum-pontificum.de/…ibliothek/dokumente/2073-…
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@Kordula Bayer Ich glaube eher, dass Herr Prof. Ohly tiefgläubig ist, das oft im katholischen Fernsehen bewies und ja sogar an einer Universität lehrt, die gegen den Modernismus gegründet wurde. Die Katholizität der DBK zu bezweifeln, wie er es im Interview tut (die Romtreue der DBK sei hoffentlich ernst gemeint, sagte er), ist schon sehr mutig. Was die FSSPX angeht, ist er ein kühler Rechtspositivist, der aber Canon 1323 Nr. 7 CIC partout nicht sehen will, weil dieser Canon gegenüber rechtspositivistischem Denken eine höhere Gerechtigkeit ins Spiel bringt. Auch die Kardinale Burke und Müller haben diesen Canon nicht "auf dem Schirm". Der Rechtspositivist setzt auf das niedergeschriebene Gesetz. Deshalb macht Herr Prof. Ohly an einer Stelle seines Interviews das Vorliegen eines Schismas davon abhängig, ob es ein römisches Dekret in diesem Sinne gebe.

Kordula Bayer

Dankeschön für die Ausführungen!

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Alfredus .

@Klaus Elmar Müller So gesehen gibt es einen Wildwuchs in Rom, der dazu führt, dass alles möglich ist, hier das Umarmen einer anglikanischen Frau als Bischöfin und dort die harte Verurteilung der FSSPX ... ! Das entspricht dem Ansinnen der Beschürzten ! Alles was der Kirche schadet und ganz ihr entgegen steht, wird gefördert . So werden Hirten platziert und ebenso die Päpste, die das Kirchenvolk in die Irre führen und die Kirchen leeren . Von Mission, Glaubenslehre und Andacht, spricht heute niemand mehr . Ein Kirchgänger wurde gefragt, ihr habt ja keinen Kreuzweg mehr ? Dazu die Antwort : ... wer hat denn heute noch einen " Kreuzweg " ? Das ist Kirche heute ... ? !

Bethlehem 2014

Er scheint vorauszusetzen, daß "Rom" jeweils unschuldig ist.
Das sehe ich differenzierter; "Rom" ist beiden gegenüber schuldig geworden: der "deutschen Kirche", weil es sie gewähren läßt,
der FSSPX, weil es sie verfolgt.

Die Bärin

Prof. Ohly bestreitet das Vorliegen einer Notlage. Durch diesen Satz erinnerte ich mich an meine Kindheit. Ich schloss die Augen und dachte, dass mich jetzt niemand sieht. - Keine Notlage zu sehen (sehen zu wollen), ist eine sehr bequeme Art, auf einen Kampf zu verzichten!